My KISS for you
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Manchmal hast du schon vor einem klärenden Gespräch das Gefühl, dass du NEIN sagen müsstest.
Und während dein Verstand noch nach Argumenten sucht, denkst du während des Gesprächs: „Äh, was war das denn?!“
Und dann stellst du dir direkt im Anschluss die Frage: Setze ich jetzt eine Grenze oder schlucke ich das (wie immer) runter?
Diese Woche hatte ich genau diesen Moment.
Der war so deutlich, wie noch nie und zum ersten Mal habe ich sofort reagiert, statt hinterher auf der Coachcouch zu grübeln.
Hallo mein Herz,
sah die letzte Woche bei uns aus.
Wenn dein Bauch schneller ist als dein Kopf
Ich saß in einem Gespräch und hörte genau hin.
Menschen reden über schwierige Situationen, das gehört zum Leben dazu.
Aber dann kam dieses Grummeln im Bauch.
Meine innere Alarmanlage, die nicht laut loskreischt, sondern einen stillen Alarm auslöst.
Wie bei einem Überfall in der Bank.
Kommt direkt in der Zentrale an und meldet: Achtung! Hier passiert gerade ein Überfall.
Während mein Gegenüber weiterredete, lief in mir ein innerer Film ab.
Die Emotionen, die den unterschwelligen Druck machen.
Dieses subtile Spiel mit Schuldgefühlen.
Diese Art von Sätzen, die zwischen den Zeilen sagen: „Du bist undankbar. Du lässt mich hängen. Wenn du das machst, bist du die Böse.“
Mir wurde speiübel.
Und dann dachte ich: Moment mal! Ich kenne dieses Muster.
Früher hätte ich das entweder gar nicht oder viel zu spät gemerkt.
Vielleicht abends beim Zähneputzen, wenn Ruhe ist und mein Kopf endlich Zeit zum Reflektieren hat.
Zu dem Zeitpunkt hätte ich mich schon wieder verbogen, damit alles flauschig bleibt.
Ja gesagt und mich später über mich selbst geärgert.
Doch dieses Mal kam mittendrin ein ‚WTF!‘ und damit etwas, das ich früher oft nicht hatte: eine Wahl.
Grenzen setzen: Warum sich das anfühlt wie Regeln brechen
Grenzen setzen klingt auf Instagram immer so leicht.
„Sag einfach Nein.“
„Dein Nein ist ein vollständiger Satz.“
„Dein Nein zu dem anderen ist ein Ja zu dir.“
Lässt sich leicht sagen, wenn man Situationen von Außen betrachtet und nicht selbst emotional involviert ist.
Einfach mal Grenzen setzen.
Ja klar.
Und danach machen wir noch schnell Weltfrieden.
Dabei tobt bei einem Nein, das noch nie ausgesprochen wurde, der Krieg.
Innen und Außen.
Denn in der Realität sieht Grenzen setzen meistens so aus: Man sitzt in einer Situation, jemand appelliert an das Pflichtgefühl, das Muttergefühl oder das schlechtes Gewissen.
Man merkt, wie sich alles zusammenzieht, und der Körper reagiert.
Der Stein im Magen.
Die hochgezogenen, verkrampften Schultern.
Vielleicht sogar der verbissene Kiefer.
Und dann kommt der alte Reflex und bedient das bekannte Muster.
Es folgen detaillierte Erklärungen und ruckzuck ist man mitten in der Rechtfertigung, weil man doch einfach nur möchte, dass die andere Person verstehen kann, warum man nicht anders kann.
Und wenn das nicht reicht, wird schnell zurückgerudert, um die Situation zu retten und Harmonie wiederherzustellen.
Dafür sorgen, dass alle sich wohlfühlen.
Alle. Außer man selbst.
Grenzen setzen fühlt sich oft deshalb so falsch an, weil wir es nicht gelernt haben oder weil die gesetzten Grenzen schon in der Kindheit überschritten wurden.
Wir haben die Gefühle der anderen gefühlt, das fühlte sich nicht gut an und deshalb haben wir uns angepasst.
Haben Verantwortung für Situationen übernommen, die nicht unsere Baustelle waren.
Für die Stimmung im Raum, die Harmonie am Tisch und das Wohlbefinden aller anderen.
Als Mama, die es „allen recht machen“ will, erst recht.
Ein Muster im Pulli unserer Persönlichkeit, das wir uns selbst eingestrickt und seitdem mit uns rumgetragen haben und das wir hässlich finden, weil es uns nicht gut tut.
Wie so ein alter Reisekoffer, den man nie richtig ausgepackt hat.
Ich habe diese Woche übrigens tatsächlich eine gefunden, dazu später mehr.
Und was ist mit dem Muster im Persönlichkeitspulli?
Es wird Zeit, sich aus der Verstrickung zu befreien.
Vor dem Schnitt brauchst du die Schere.
Der wichtigste Moment beim Grenzen setzen ist nicht das große Nein.
Es ist nicht das klärende Gespräch.
Es ist der kurze Moment davor, in dem du das Muster erkennst.
Diese Woche merkte ich mittendrin, was da passierte.
Ich war nicht mehr im Autopilot unterwegs.
Den altbekannten Druck spürte ich, ohne ihm sofort nachzugeben.
Stattdessen nahm ich die Wut wahr, weil meine Grenze nicht respektiert wurde.
Das klingt jetzt vielleicht so, als hätte ich cool und gelassen reagiert wie eine Zen-Meisterin.
Aber so ist es nicht.
Stattdessen hatte ich Herzklopfen und in meinem Kopf lief ein kleiner Film mit dem Titel „Der größte Arsch der Welt.“
Meine Grenze setzte ich trotzdem noch einmal.
Dieses Mal unmissverständlich.
Die Welt ist nicht untergegangen.
Mein Impuls für dich
Möglicherweise kennst du das Gefühl, so oder so ähnlich.
Wenn du in Gesprächen sitzt und spürst, dass gerade etwas passiert, das sich nicht gut anfühlt.
Doch woher dieses Gefühl kommt, kannst du nicht zuordnen, und deshalb machst du einfach weiter im Programm.
Grenzen setzen ohne Schuldgefühle bedeutet, dass du die Verantwortung dort lässt, wo sie hingehört. Auch wenn sich jemand über das ärgert, was du sagst.
Du bist für deine Gefühle verantwortlich und dein Gegenüber ist für seine Gefühle verantwortlich.
Hier sind zwei Fragen, die mir in diesen Situationen richtig helfen:
Ist das gerade wirklich meine Verantwortung oder übernehme ich etwas, das jemand anderem gehört?
Was würde ich meiner besten Freundin raten, wenn sie mir genau diese Situation erzählen würde?
Wahrscheinlich bist du mit anderen viel nachsichtiger als mit dir selbst.
Während du anderen ihre Grenzen zugestehst, sprichst du sie dir ab oder lässt andere einfach so drübertreten.
Dabei ist es deine Aufgabe, auf deine Energie zu achten und deine Grenzen immer wieder aufzuzeigen.
Deine Bedürfnisse und deine Grenzen stehen nicht auf deinem Pulli.
Sie sind für andere unsichtbar.
Deshalb musst sie immer wieder sichtbar machen und aussprechen.
Auch wenn es sich zunächst nicht gut anfühlt.
Es ist eine Übung, die du immer wieder wiederholen musst.
Was sonst noch so los war
Neben meinem kleinen Grenzen-Moment hatte die Woche noch ein paar andere Geschichten.
Jeden Morgen war ich draußen unterwegs und habe meine guten Vorsätze aus der Kur umgesetzt.
Bewegung an frischer Luft, um den Kopf mal so richtig durchzulüften.
Dann habe ich einen kleinen großen Schatz entdeckt.
Ich habe einen alten Reisekoffer aus Holz aus Amerika gefunden.
So ein richtiges Stück mit Geschichte und vielen Jahren auf dem Buckel.
Ich werde die alte Truhe demnächst restaurieren und sehe das Ergebnis schon vor meinem inneren Auge.
Am Samstag kam eine Freundin zu Besuch.
Der Anlass ist leider ein trauriger, doch wir haben das Beste aus der Situation gemacht.
Lange Spaziergänge und tiefe Gespräche taten uns gut.
Letzte Woche erzählte ich dir, dass wir diese Woche das Experiment starten: Der Bär schläft alleien in seinem Zimmer.
Von Mittwoch auf Donnerstag hat er zum ersten Mal ganz alleine in seinem Zimmer geschlafen. Einfach so. Tür zu, Licht aus. Und siehe da, es funktioniert. Bis jetzt zumindest. Ich klopfe innerlich auf alles Holz, das ich finden kann.
Weniger schön war allerdings ein Kita-Thema: Der kleine Bär wurde dort zweimal gebissen. Och nö. Ich weiß, das gehört zum Kita-Alltag. Aber Mama-Herz und Rationalität sind in solchen Momenten selten beste Freunde. Da hilft auch kein „Das ist ganz normal“ von der Erzieherin.
Ich wünsche dir eine tolle Woche. Beiß dich durch.
Deine Marion Glück
P.S.
Wer hat die Hauptrolle in deinem Leben?
Genau. Du.
Und Hauptrollen dürfen Grenzen haben. Sogar die, die sich am Anfang ein bisschen ungemütlich anfühlen.
Oder wie es so schön heißt: „Be water, my friend.“ Wasser fließt. Aber es weicht auch Felsen auf, wenn man ihm genug Zeit gibt.
Impulse von mir. Fü(h)r dich.
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