My KISS for you

  • Mental Load entsteht durch offene „Gedankenschubladen“. Der Kopf verwaltet ständig Aufgaben, Termine und Verantwortung. Dauerstress entsteht, obwohl vieles unsichtbare Arbeit bleibt.
  • Das Problem frisst Energie und Beziehungen. Wer alles im Kopf organisiert, läuft dauerhaft im Hintergrundbetrieb. Erschöpfung, Gereiztheit und Konflikte folgen.
  • Schubladen schließen schafft Entlastung. Aufgaben sichtbar machen, Verantwortung verteilen, Dinge bewusst aus dem Kopf in Systeme oder zu anderen Menschen geben.

Dienstagnacht.

Ich sitze auf dem Boden eines Kurzimmers und puzzle.

Vor mir ein 1000-Teile-Puzzle und unter mir der harte Fußboden.
Als kleines Luxus-Accessoire habe ich ein kleines Kissen unter dem Popi.

Während ich auf die historische Weltkarte starre, denke ich: Die Welt liegt mir heute wortwörtlich zu Füßen.


Hallo mein Herz,

als ich für die Klinik gepackt habe, war ich erstaunlich optimistisch, was meine Freizeit angeht.

Neben Eragon habe ich noch ein Diamond-Painting und ein Puzzle ins Auto gequetscht.

Nachdem die technische Komponente meines LUMEA-Projekts endlich vom Tisch war, habe ich am Montag erstmal mein Buch ausgelesen.

Nachdem ich die letzte Seite verschlungen hatte, begann ich mit Projekt Nr. 2.

1000 Teile.

50×70 cm.

Motiv: Historical World Map.

Eigentlich wollte ich nur „ein bisschen puzzeln“.
So ein paar Teile hier und da.

Nun ja. Lies einfach selbst, welche Puzzlesteine in meinem Kopf zurechtgerückt wurden.

Mein Wochenhighlight

Das Puzzle hatte ich mitgenommen, um es nach meiner Vollzähligkeitsprüfung in der Klinik zu lassen.
Eine kleine Beschäftigung zum Abschalten für zwischendurch.

Mein erstes Problem war die Möblierung des Zimmers.

Beim Interieur hatte offensichtlich niemand meine Freizeitbeschäftigung bedacht.

Der einzige Tisch war rund und zu klein für 1000 Teile.

Die Wickelkommode war meine zweite Idee. Doch die war zu schmal.

Mein Bett war zu weich. Abgesehen davon schlief der Bär mit mir im gleichen Zimmer und im Dunklen lässt es sich schlecht puzzeln.

Also saß ich im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Boden der Tatsachen.

Mäh!

Der einzige Teppich im Raum, war mein ausgerollter Puzzleteppich.
Ich trainierte neben meiner Geduld vor allem mein Sitzfleisch.

Tagsüber lief das Ganze eher nebenbei.

Ich finde fünf Teile und dann gehe ich schwimmen.
Nur drei Teile anlegen und dann wecke ich Noah.

Ich finde dieses eine Teil und dann packe ich den Koffer.


Zwischendurch Mittagessen, Noah aus der Kita holen, zum nächsten Gruppentermin.
Dann wieder zwei Teile finden.

Ich konnte richtig schön beobachten, wie sich langsam ein Bild zusammensetzt.

Dienstagmittag war klar, dass dieses Puzzle-Projekt auf keinen Fall unfertig mit nach Hause fährt.

Oder für mich noch schlimmer, unfertig in der Klinik bleibt.

Beim Abendessen gab ich meinem vor Ort gefundenen Puzzlebuddy Maja mein Wort: „Ich schicke dir ein Foto, wenn ich fertig bin.“

Ihre Antwort: „Bestimmt wird das erst gegen zwei Uhr sein. Ich bin gespannt.“


00.55 Uhr ging die WhatsApp mit dem Bild raus.

Als das letzte Teil einrastete, grinste ich vor mich hin und hatte kurz meinen persönlichen Leonardo-Titanic-Moment.

Du weißt schon … „Ich bin der König der Welt.“

So ein fertiges Puzzle hat etwas Befriedigendes.
Alle Teile verbaut. (Noch toller ist es, wenn kein Teil fehlt.)
Alles hat sich gefügt.

Ganz oder garnicht

Während ich mir am Abend den Popi platt saß und die passenden Teile suchte, fiel mir wieder etwas auf.

Ich bin bei vielen Dingen eine Ganz-oder-gar-nicht-Frau.

„Nur halb“ ist so gut wie unmöglich.

Das schaffe ich mittlerweile bei einem schlechten Film. Den schalte ich ab, denn Lebenszeit ist kostbar.

Oder ein Buch, das mir nicht gefällt, lese ich auch nicht mehr zu Ende, in der Hoffnung, dass es noch was wird.

Aber ein Puzzle wieder einrollen, obwohl es fast fertig ist?

Oder dieses Puzzle unfertig in die Kiste packen und in der Klinik zurücklassen?

Nope. No way. Geht nicht.

Den Gedanken hatte ich gegen 22 Uhr durchaus.

Ich spielte das Szenario im Kopf durch.

Der geschlossene Karton wäre in meinem Kopf trotzdem eine offene Schublade geblieben.

Ich hätte noch Monate, wenn nicht sogar Jahre später an dieses unfertige Puzzle gedacht.

Und jedes Mal hätte dieses Gefühl an mir genagt.
Das unfertige Puzzle hätte mich länger beschäftigt, als die drei Stunden, die ich bis zum Einsetzen des letzten Teils gebraucht habe.


Wenn die inneren Puzzleteile ihren Platz finden

Dieses Puzzle steht für mich für so viele kleine offene Schubladen in meinem Kopf.

Ein klärendes Gespräch, das mich seit Wochen beschäftigt und das ich vor mir herschiebe.
Eine Entscheidung, die besser gestern als nächste Woche zu treffen ist.
Die unzähligen offenen Projekte auf meinem Schreibtisch.

Je voller der Alltag ist, desto schneller sammeln sich diese offenen Schubladen.

Manchmal sind es große Themen.

Manchmal nur ein Puzzle.
Das meiste davon landet auf einer Liste, damit ich nichts vergessen und weil aufgeschriebene Themen den Kopf entlasten.

Bei mir sind erstaunlicherweise manche Punkte trotzdem präsent.

Sie haben eins gemeinsam. Es sind die unangenehmen Themen, die ich vor mir herschiebe.

Die merkt sich mein Kopf erstaunlich zuverlässig, auch ohne Aufschreiben.

Sie hüpfen wie bunte Flummis durch meine Gedanken.

Mal mehr, mal weniger.

Meist mehr, je höher der Druck wird.

Mein Impuls für dich

Wenn dein Kopf gerappelt voll ist, dann wirf einen Blick auf deine offenen Schubladen.
Manche sind leicht zu schließen.

Kleine Punkte auf der „Easy-to-do-Liste“.

Andere Schubladen hast du noch offen, weil du dir an ihnen die Finger klemmen könntest oder andere Menschen nicht wollen, dass du sie schließt.

Die Themen darin sind emotional behaftet und bergen großartiges Entwicklungspotential.

Da schlummern sie, die hinderlichen Glaubenssätze und einprogrammierten Erwartungen, denen du entsprechen willst.

Vielleicht drückst du dich vor einem unangenehmen Gespräch, weil du ein Harmoniebedürfnis hast.

Das Ergebnis ist Ruhe im Außen und der Konflikt im Innen.

Mental belastend.

Möglicherweise schiebst du eine Entscheidung vor dir her, weil sie sich zu 168 Prozent richtig anfühlen soll.

Wenn du doch nur noch ein paar mehr Informationen hättest.

Blöd, dass dir das Leben meist keine Perfektion bietet.

Auch mental belastend.

Vielleicht boykottierst du dich jedoch auch selbst, um ein mögliches Scheitern zu vermeiden.

Du bist auch so ein Puzzle.

Mach dich auf den Weg und finde die passenden Teile.

Und wenn es eine Sache gibt, die du heute zu Ende bringen kannst, tue sie.

Nur eine.

Mach die eine Schublade zu und reduziere deinen Mental Load.

Manchmal reicht genau dieses kleine Klicken im Kopf. Dann hast du den Schalter umgelegt und fühlst dich sofort befreiter und leichter.

Was sonst noch so los war

Mittwoch ging es von der Kur wieder zurück nach Hause.

Beim Packen habe ich wieder festgestellt, wie praktisch die blauen „IKEA-Koffer“ sind.

Ein echtes Geschenk an die Menschheit, denn sie sind nach oben offen.

Kleinteile reinwerfen, Kopfkissen und Jacken oben drüber stapeln und ab ins Auto.
Fertig.

Auf der Rückfahrt hatten wir zwei Herausforderungen.

Erst eine Umleitung, wegen einer Vollsperrung aufgrund einer Baustelle auf der A24.

Da juckelten wir über die Dörfer und mussten jedes Mal warten, bis sich die großen LKW auf den schmalen Straßen zentimetergenau aneinander vorbeigeschoben hatten.

Bei der zweiten Vollsperrung gab es noch keine Umleitung, denn die war ganz frisch.

Wir standen mitten drin. Motor aus. Knapp 100 Meter vor uns brannte ein Auto aus.

Noah war ganz aufgeregt, als er die vielen Löschzüge der Feuerwehr an uns vorbeifahren sah.

Die Feuerwehr fackelte nicht lange und nach knapp einer Stunde rollten wir weiter.


Früher hätte mich so ein Stillstand genervt.

Mittlerweile gehe ich in die Dankbarkeit, weil ich einfach nur warten muss und meine Joy nicht in Flammen steht.

Den Donnerstag habe ich genutzt, um anzukommen.

Sachen auspacken, waschen, wegsortieren.

Richtig guten Kaffee auf meiner Couch trinken.

Und natürlich Noah wieder an die Kita zu gewöhnen.

Ich kenne mein Kind gut. Nach der Kur sogar noch besser.

Deshalb kann ich einschätzen, wie er auf Veränderung reagiert.

Auch gewisse Verhaltensweisen kann ich entwicklungspsychologisch einordnen.

Trotzdem gibt es natürlich auch in meinem Leben andere Menschen, die mir erklären wollen, wie mein eigenes Kind „funktioniert“.

Wenn das passiert, ohne mein Kind in der Situation erlebt zu haben, wird es für mich schwierig.

Sätze wie „Erfahrungsgemäß reagieren andere Kinder …“ fahren mich direkt aus dem Ruhemodus hoch und bringen mich auf die Abgrenzungsbetriebstemperatur.

Grundsätzlich finde ich es gut, dass mein Kind in der Kita behütet wird.

Die Fachexpertise der Mitarbeitenden stelle ich dabei nicht in Frage.

Mir geht es um die Art und Weise.

Was ich mir jedoch wünsche, ist vorausschauendes Arbeiten.

Mir spontan fremde Pläne aufs Auge drücken zu wollen, läuft bei mir nur so semi.

Da bin ich recht unflexibel.

Den Impuls hätte ich mir VOR meiner Kur gewünscht, dann hätte ich anders geplant.

Jedenfalls lasse ich mich weder gegen meinen Mann ausspielen, noch mir ein schlechtes Gewissen einreden.

Auch eine schöne Erkenntnis.


Am Freutag war ich bei der IHK und habe LUMEA vorgestellt.

Ich hatte das erste Mal das Gefühl, dass die ganzen Elevator-Pitch-Übungen gefruchtet haben.

Mal sehen was davon wieder auf meinem Tisch landet.

Die Früchte meiner Arbeit und so…

Danach ging es jedenfalls bei bestem Wetter direkt ins Wochenende.

Ich habe begonnen den Garten für den Frühling vorzubereiten.

Dabei haben wir auch Noahs Traktor ausgelagert.

Die Aufregung beim Bären war so groß, dass alle Nachbarn gehört haben, dass die Gartensaison offiziell eröffnet ist.

Da Noah mittlerweile ausschläft, werden wir in der nächsten Woche das betreute Schlafen ausschleichen.

Wie das läuft, berichte ich dir in der nächsten Woche.

Genieß den Frühling.

Deine Marion Glück

P.S.

Beim Puzzle funktionierte Schubladendenken wunderbar.
Randteil. Weltkarte. Rest.
Bei Menschen halte ich davon weniger, denn sie können sich verändern.


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Marion Glück ist Mentorin für mentale Gesundheit, Autorin und ehemalige Offizierin. Sie begleitet Führungskräfte in herausfordernden Zeiten und verbindet psychologische Tiefe, unternehmerisches Denken und persönliche Erfahrung.

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