My KISS for you

  • Die Rushhour deines Lebens ist nicht das Problem, sondern dein unsichtbares mentales Gepäck. Unverarbeitete Themen, Daueranspannung und alte Stoppschilder im Kopf überladen deinen Wagen.
  • Dauer-Vollgas führt zu Erschöpfung, Gereiztheit und Krankheit. Wer Warnleuchten ignoriert, landet früher oder später im Stau oder in der Vollsperrung.
  • Schau in deinen inneren Kofferraum. Räume regelmäßig aus. Plane bewusste Tankstopps wie Kur, Therapie und kleine Pausen im Alltag ein, bevor der Motor streikt.


„Sie sind gerade in der Rushhour Ihres Lebens.“

Die Ärztin steht vorn im Raum.

Sie hält ein Bild in die Luft, auf dem eine vierspurige Autobahn mit vielen Autos zu sehen ist.

Sie spricht vom inneren Wecker, der permanent klingelt.

Von Mitfahrern, die anders fahren als man selbst und die auch mal wechseln – Scheidung, Patchwork, neue Kinder, neue Rollen.

Vom Job, der auch noch mitfährt.

Und dann noch die Kinder, die jetzt sofort etwas wollen.

Pipi, Eis, wann sind wir da?!



Hallo mein Herz,

Mittwochmorgen war mein Auto bis unters Dach vollgestopft.

Mr. Magic hatte verschlusssicher alles verpackt.

Der Bär saß hinten und nagte an seinem Kuscheltuch. Es war absehbar, dass er einschläft.

Wir sind zusammen zur Mutter-Kind-Kur gefahren und als ich der Ärztin zuhörte, saß ich nur da und nickte.

Jupp. Genau so isses.

Lass mich dir erzählen.

Mein Wochenhighlight

Montag und Dienstag hatte ich noch ein paar Restarbeiten „schnell“ erledigt.

Nebenbei gepackt, was mir so einfiel.

Dies, das, Ananas.

Möglicherweise weißt du, wovon ich spreche.


Und einen Tag später sitze ich ohne Noah in der Bibliothek der Klinik und die Ärztin arbeitet mit diesem starken Bild.

Die Rushhour des Lebens.

Ich kann mir die von ihr geschilderten Szenarien sehr gut vorstellen.

Und während ich dasitze, sehe ich mich plötzlich selbst.

Allerdings nicht im dichten Verkehr und auch nicht genervt, sondern auf einer unsichtbaren Überholspur.

Volle Lotte Vollgas, als gäbe es kein Morgen mehr.


Am Nachmittag laufe ich mit Noah über das Klinikgelände.

Er schiebt begeistert einen Gepäckwagen vor sich her.

Das machen wir schon seit 90 Minuten.

Ich spaziere geduldig nebenher.

Entschleunigen auf Knopfdruck kann ich.

Seitdem ich das regelmäßig trainiere, habe ich deutlich weniger Kopfdruck.

Auf dem Wagen lag vorhin ein kleiner Müllbeutel, der raus musste.

Jetzt ist der Gepäckwagen leer.

Und während ich gemütlich langsam spaziere, denke ich an die Rushhour und schaue innerlich in den Rückspiegel.

Vor zehn Jahren war ich auch in einer Klinik.

Psychosomatische Reha in Bad Pyrmont.

Mein Gepäckwagen war damals übervoll.

Ich konnte ihn nicht mehr schieben, weil er umgekippt war.

Mein mentales Gepäck flog mir vor die Füße.

Endstation: Depression.

2022 war ich wieder in einer Klinik.

Das war kurz nach Corona und meiner zweiten Fehlgeburt.

Damals dachte ich, ich wäre präventiv da.

Es ging mir ja „gar nicht so schlecht“.

Im Gespräch mit meiner Ärztin wurde dann klar, dass dem nicht so war.

Dieses Mal war es aber „nur“ eine depressive Verstimmung.

Und jetzt bin ich in der Rushhour meines Lebens angekommen.

Vier Sternenkinder, ein Sohn, zwei Bonuskinder, ein Business und jede Menge Verantwortung.

Heute ist mein Gepäckwagen fast leer.

Ich schlafe entspannt.

Habe keine Panikattacken und reflektiere täglich.

Nur ein kleiner mentaler Müllbeutel.

Den hatte ich vorhin mit dem anderen zusammen rausgebracht.

Fertig.

Ich fühle mich federleicht und bin stolz.

Eine tiefe Zufriedenheit breitet sich in mir aus, obwohl ich weiß, dass ich die letzten Wochen schon wieder viel zu schnell unterwegs war.

Die innere Baustelle

Und während ich zurückblicke und die Zeitlinie wieder nach vorne fahre, stelle ich fest, dass die Rushhour des Lebens nicht wirklich das Problem ist.

Sie gehört vielleicht zu dieser Lebensphase dazu.

Vielleicht aber auch nicht, weil „irgendwas ist ja immer“.

Zwischen 30 und 50 passiert einfach vieles gleichzeitig.

Die Schlagzahl ist hoch.

Die Kinder sind klein.

Die Karriereleiter wird erklettert.

Vielleicht stellt man später fest, dass sie an der falschen Wand steht.

Die Eltern werden älter.

Beziehungen und Rollen verändern sich.

So ist das Leben eben.

Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass wohl eher die jahrelang unbearbeiteten inneren Baustellen das Problem sind.

Die riesigen Stoppschilder im Kopf.

Die fiesen Schlaglöcher, die wir immer wieder mitnehmen.

Was wir oft nicht sehen, ist das unsichtbare Gepäck.

Der Streit mit den Eltern, den man seit 6 Jahren runterschluckt.

Das Gefühl, nie gut genug zu sein.

Die unverarbeitete schwere Geburt der Tochter.

Der Tod des geliebten Großvaters.

Dieses permanente „Ich muss noch …, bevor ich …“.

Das alles liegt im Kofferraum und ist türmeweise auf dem Dachgepäckträger festgeschnallt.

Und während man sich täglich durch den dichten Verkehr quält, sammelt man weiteres Gepäck ein.

Und dann wundern wir uns, warum wir in der Rushhour kaum vorankommen.

Oder im dichten, kilometerlangen Stau stecken bleiben.

Oder vor der Vollsperrung stehenbleiben müssen.

Warum wir schneller erschöpft sind.

Warum wir gereizter reagieren.

Warum wir keine Zeit für uns haben.

Draußen mag viel los sein, doch der mentale Ballast, der mitgeschleppt wird, macht das Chaos im Kopf, von dem wir uns mit Smartphones und Netflix ablenken.


Schulterblick zum toten Winkel

Vor zehn Jahren war mein Wagen definitiv überladen.

Es war einfach zu viel „Mental Load“, den ich mir in der Boutique des Lebens eingekauft hatte.

Ich war krank.

Damals habe ich meinen Klinikaufenthalt mit Scheitern verbunden.

Seitdem bin ich gescheiter.

Ich tanke regelmäßig voll auf.

Mein Leben läuft und ich bin hier, weil ich will, dass es so bleibt.

Heute bin ich gesund und weil ich die Energie habe, war ich auf der Überholspur unterwegs.

Es war mal wieder Zeit, bewusst zu entschleunigen und rechts rauszufahren, denn irgendwann muss man auftanken, wenn man nicht auf dem Standstreifen verrecken will.

Gerade Berufstätige mit Kindern sind Weltmeister:innen im Durchhalten.

Da werden die roten Motorkontrollleuchten einfach übersehen, ignoriert oder mit einem Post-it überklebt, auf dem steht: „Das kriege ich schon hin.“

Wer hat uns eigentlich beigebracht, dass wir erst ganz kaputt sein müssen, bevor wir aussteigen dürfen?

Und wie viel leichter könnte sich die Rushhour des Lebens anfühlen, wenn der Wagen ohne Gepäck und dafür voll aufgetankt wäre? Mit netten Mitfahrer:innen an Bord?

Mein Impuls für dich

Ich bin mir sicher, dein Alltag ist gerappelt voll.

Meetings. Kita. Elternabende. Einkauf. Partnerschaft. TriTraTallala.

Und irgendwo mittendrin du zwischen Wäschebergen.

Möglicherweise denkst du: „Kur? Bekomme ich eh nicht verschrieben, denn mir geht es nicht schlecht genug.“

Oder: „Für eine Kur habe ich keine Zeit.“

Das sagen in meiner Welt Menschen, die sie am nötigsten brauchen.

Wofür du dir später viel mehr Zeit nehmen musst, ist Regeneration, wenn du die Karre gegen die Wand gehämmert hast.

Da springe ich mal eben vorher im dichten Verkehr auf die Straße und halte ein Stopp-Schild hoch.

Drei Fragen für dich:

  • Was liegt gerade unsichtbar auf deinem Gepäckwagen?
  • Wie gestresst musst du erst werden, bevor du dir was gönnst?
  • Liebst du dich selbst?


Eine Mutter-Kind-Kur ist eine Tankstelle.

Therapieangebote.

Bewegung.

Gespräche.

Entlastung.

Zeit für dich.

Und Zeit mit deinem Kind.

Danach fährst du bewusster durch dein Leben.

Vielleicht mit viel weniger Gepäck.

Denk mal drüber nach und gönn‘ dir.

Denn starke Frauen und Männer warten nicht, bis sie kaputt sind und von der Ärztin aus dem Verkehr gezogen werden.

Sie tanken auf, bevor der Motor streikt.

Was sonst noch so los war

Ich bin vor der Kur noch zu meiner Osteopathin gefahren, denn nachdem ich neulich aus dem Bett gefallen bin, war das eine Wohltat.

Nachdem es geknackt und geknirscht hatte, bin ich förmlich aus der Praxis geschwebt.

Mister Magic rockt während meiner Abwesenheit zu Hause die Stellung mit den Zwillingen.

Natürlich gab es am Wochenende eine Shoppingtour und Filmabende.

Und hier vor Ort ist es großartig.

Ich muss nicht einkaufen, mir keine Gedanken um den Speiseplan machen, nicht kochen, nicht putzen und mir wird sogar mein Tag geplant.

Dafür bin ich unendlich dankbar.

Es ist wie ein Wellnessurlaub mit Hirnwäsche (in positiver Art versteht sich).

Am Wochenende hatten der Bär und ich frei.

Am Samstag haben wir ihm ein Faschingskostüm gekauft.

Mehr dazu dann nächste Woche.


Außerdem sind wir nach Lübeck gefahren und wurden von Anton mit Niederegger Marzipankuchen verwöhnt.

Sonntag waren wir dannin Laboe und sind mit Stefan bei einer steifen Eisbrise am Strand spazieren gegangen.

Mehr geht nicht und Meer geht immer.

Ich habe hier bei der Kur bereits meine neue Routine gefunden und warte gespannt auf meinen Therapieplan für nächste Woche.

Apropos Therapieplan.

Einen Nervpunkt hab ich noch, denn ich merke sehr deutlich, wie ich mich hier bevormundet fühle.

Es gibt kein WLAN.

Aus therapeutischer Sicht verstehe ich vollkommen, wieso das so ist.

Dafür gibt es einen Fernseher auf dem Zimmer. Hä?!

Das ist für mich unlogisch.

„Dann zieht es doch komplett durch!“ schreit mein innerer Monk.

Ich bin in meinem Ganz-der-gar-nicht-Muster gefangen.

Mich stresst der Umstand, dass ich nicht frei und bewusst entscheiden darf.

Das wird mein Therapiethema für nächste Woche.

Bin neugierig, was wir rausfinden.



Hab eine zauberhafte Woche und denke an den Boxenstopp.

Deine Marion Glück

P.S.

Rushhour bleibt Rushhour. Doch bei mir war es damals keine Stunde, sondern mehrere Jahre Dauerstress mit doofen Mitfahrenden und viel zu viel Gepäck.


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Marion Glück ist Mentorin für mentale Gesundheit, Autorin und ehemalige Offizierin. Sie begleitet Führungskräfte in herausfordernden Zeiten und verbindet psychologische Tiefe, unternehmerisches Denken und persönliche Erfahrung.

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