Die Autorin und der Titel der Geschichte Doppelseite eines aufgeschlagenen Buches

Ich habe eine Tatortreinigerin über eBay Kleinanzeigen kennengelernt. Sie kam, um meinen Staubsauger abzuholen. Wir haben uns danach noch einmal getroffen, und aus unserer Begegnung wurde diese Geschichte.

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Autorin: Marion Glück

Marion Glück, Mentorin für Selbstführung

Marion Glück ist Mentorin für Selbstführung, Autorin und (Sternen-)Mama. Nach Depression und vier Fehlgeburten fand sie über Tagebuch und Buch zurück ins Leben. Daraus entwickelte sie „Buchtherapie” — ein Verfahren, das Frauen zeigt, wie Schreiben Gefühle ordnet, Wunden würdigt und Selbstbewusstsein stärkt. Ihre Geschichten handeln von Frauen an Wendepunkten, geprägt von ihrer eigenen Erfahrung als Marineoffizierin, Führungskraft und Mutter. Seit 2019 veröffentlicht sie Bücher und Kurzgeschichten.


Schwarze Steine. Überall.

Große und kleine, auf der Fensterbank zwischen Familienfotos, unter den Kopfkissen, im Bad, im Flur. Und da, wo die drei gestorben waren: im Kreis ausgelegt. Sauber nebeneinander, wie eine Grenze, die etwas aufhalten sollte.

Hatte sie nicht.

Dritter Stock, Altbau, Köpenick. Von außen eine Wohnung wie tausend andere. Von innen roch es nach alten Kerzen und nach etwas, das ich kenne und nicht beschreiben werde.

An der Wand hing ein Foto. Ein Mädchen mit Zahnlücke und einem Stofftier im Arm.
Daneben, auf dem Regal, noch ein schwarzer Stein.Mehrfachsuizid. Eltern und Kind. Das kleine Mädchen hatten sie mitgenommen.

Ich bin Tatortreinigerin, meine Eltern gaben mir den wohlklingenden Namen Mary. Die Polizei machte daraus nach einem sehr blutigen Suizid vor langer Zeit Bloody Mary, das Amt und andere Auftraggeber auch.
Normalerweise überrascht mich nichts mehr. Aber diese Steine in ihrem Kreis, die haben es doch geschafft.

Ich hatte eine Praktikantin dabei an dem Tag. Sonia. Sie half mir gelegentlich, weil sie das alles spannend fand. Sonia war, wie soll ich sagen, eine Hexe. Durch und durch.
Tarotkarten im Handschuhfach, Bergkristall in der Jackentasche, und bei Vollmond will man nicht wissen, was die getrieben hat.
Aber sie war kräftig und nicht zimperlich. Das zählt in meinem Job mehr als ein rationaler Weltblick.

Am Vorabend hatte die Vermieterin angerufen. Ob ich es nicht aus der Presse gehört hätte.
Nee. Hab ich nicht. Ich hab keinen Fernseher.
Sie erzählte, was passiert war, und ich nahm die Pfanne vom Herd. Ich hatte mir Leber gebraten, Butter und Salbei, Pfanne auf den Punkt. Jetzt stand die kalt auf der Platte, und ich stand hier, zwischen schwarzen Steinen und dem Rest einer Familie.

Sonia kniete sich hin, nahm einen der Steine, schloss die Augen.
„Die sind aufgeladen“, sagte sie.
„Die sind schwarz und liegen rum.“
„Mary. Die haben die Energie nicht abgehalten. Die haben sie aufgesogen. Alles, was hier passiert ist, steckt da drin.“

Ich schaute auf den Kreis. Auf die Stelle am Boden.

„Die nehmen wir mit“, sagte Sonia.
„Die schmeißen wir in die Tonne.“
„Die müssen in die Erde. Verbuddelt. Alle.“

Ich bin nicht esoterisch. Räucherstäbchen, wenn sie gut riechen, das ist mein Maximum.

„Von mir aus“, sagte ich. „Aber ich fahr die nirgendwohin.“
Ich zog die Handschuhe an und machte meinen Job. Sonia rutschte auf Knien durch die Räume und sammelte jeden Stein ein wie einen Schatz. Das eine ist Arbeit, das andere ist Sonia. Wo die Grenze verläuft, weiß ich manchmal selbst nicht.

Es wurden viele Steine. Eine ganze IKEA-Pappkiste voll.
Abends regnete es. Richtig. Einer von diesen Berliner Abenden, an denen der Himmel aufgibt und einfach alles auf einmal runterlässt.

Die Steine lagen im Kofferraum. Ich fand das abartig. Wohnung fertig, Hände desinfiziert, Feierabend. Und hinter mir eine Kiste mit schwarzen Steinen aus einer Wohnung, in der drei Menschen gestorben waren.

Sonia navigierte mich ins Umland. Irgendein Waldstück, irgendeine Stelle, die sie richtig fand. Ich fuhr, rauchte und dachte an die Leber, die kalt auf dem Herd stand.
Mein Sohn hatte wahrscheinlich längst Pizza bestellt. Mit Doppelkäse, wie immer, wenn er die Küche für sich hat.

„Hier“, sagte Sonia.
Ich hielt an. Regen wie aus Eimern. Die Bäume im Scheinwerferlicht sahen aus wie schwarze Wände.
„Du steigst nicht mit aus?“
„Ich? Bei dem Regen? Sicher nicht.“

Sonia nahm ihren Schirm, einen Klappspaten und meine Taschenlampe. Ich machte den Kofferraum von innen auf, ließ die Scheibe runter und zündete mir eine an.
Da stand sie. Mitte dreißig, klitschnass, Schirm in der einen Hand, Spaten in der anderen. Und fing an, ein Loch zu buddeln. Im strömenden Regen, im Dunkeln, mitten im Wald. Für Steine aus einem Tatort. Und ich saß im Trockenen, rauchte und leuchtete ihr vom Fahrersitz aus.
Manchmal frage ich mich, wer von uns beiden die Verrücktere ist.

Sonia öffnete die Kiste, nahm den ersten Stein und warf ihn ins Loch.
Er sprühte Funken.
Wie Glut, die aufleuchtet, wenn man reinpustet. Der Stein traf den Boden und glühte.
Ich setzte mich auf.
Sonia warf den nächsten. Dasselbe. Und den nächsten. Jeder einzelne sprühte und glühte, als ob etwas in den Steinen gesessen hatte, das jetzt rauskam.

Stein um Stein. Die Kiste war voll gewesen, und jeder verdammte Stein fing in diesem Loch an zu glühen wie Kohle, die ins Feuer fällt. Im strömenden Regen. In nasser Erde.
Es zischte kurz bei jedem Aufprall, wie heißes Metall in Wasser.
Ich saß im Auto. Die Zigarette vergessen zwischen den Fingern. Regen auf der Windschutzscheibe. Und da unten im Loch diese Glut, die kein Regen löschte.

Ich bin nicht esoterisch. Das sage ich nochmal, weil es mir wichtig ist. Ich glaube nicht an Energien in Steinen, nicht an Schutzkreise und nicht an aufgeladene Kristalle.
Aber ich habe gesehen, was ich gesehen habe.
Jeder einzelne Stein hat Funken geschlagen. Im strömenden Regen, in einem Loch im Waldboden, ohne dass jemand sie aneinandergerieben hat. Sonia hat sie reingeworfen und sie haben geglüht.
Ich habe keine Erklärung dafür. Und ich bin alt genug, um zu wissen, dass nicht alles eine braucht.

Sonia schaufelte die Erde drüber. Stieg ins Auto, triefnass, und sah aus wie etwas, das man aus einem Fluss gezogen hat. Der Klappspaten tropfte auf meine Fußmatte.
Ich schaute sie an.
„Biste glücklich?“
Sie lächelte.
Ich fuhr uns nach Hause. Ohne die Steine und eine Erklärung. Was am Tatort passiert, bleibt am Tatort. Das hier würde mir sowieso niemand glauben.

Impulse von mir. Fü(h)r dich.

Gedanken, Fragen und Perspektiven für Führungskräfte.

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Marion Glück ist Mentorin für Selbstführung, Autorin und ehemalige Marineoffizierin. Sie begleitet Frauen in Führungsrollen bei strukturierter Selbstführung und Entwicklung von mentaler Stärke. Ihre Arbeit als systemische Coach und psychologische Beraterin basiert auf Biografiearbeit, unternehmerischem Denken und persönlicher Erfahrung. Mit LUMEA hat sie eine DSGVO-konforme KI-Begleiterin für Reflexion und innere Klarheit entwickelt.

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