Marion Glück mit Sohn Noah im Garten, Führen durch Vorbild beginnt zu Hause.

My KISS for you

Führen durch Vorbild bedeutet, dass Kinder wie Teams das übernehmen, was wir täglich vorleben. Wer andere entwickeln will, beginnt beim eigenen Verhalten.



Diese Woche hat mein Sohn ein neues Wort gelernt. Ich hab es ihm nicht beigebracht, und während ich aufgrund der Situationskomik schmunzeln musste, fiel mir die Marine ein.

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Hallo mein Herz,

„Spinner, ja.“

Diesen Satz höre ich gerade mindestens dreimal am Tag aus dem Mund meines kleinen Bären.
Beim Frühstück. Während er durch den Garten rennt oder im Auto.
Wie ein kleiner Papagei, und ich weiß ganz genau, wo er das herhat.

Wie aus meinem Sohn ein kleiner Papagei wurde

Rückblende, ein paar Tage vorher.
Wir sitzen am Kaffeetisch, Noah versteckt sich und bringt uns durch seine Faxen zum Lachen.
Mr. Magic schaut von seiner Tasse hoch, grinst und sagt: „Na, da ist unser kleiner Spinner ja wieder.“

Zack, aufgenommen, abgespeichert und ab sofort auf Dauerschleife.

Ab da war „Spinner, ja“ den ganzen Tag im Programm.
Ich habe Mr. Magic nur angeschaut und gesagt: „Ich hab‘s dir gesagt.“
Denn genau das hatten wir vor ein paar Tagen besprochen, denn nachdem ich einen Erfolg verbal gefeiert hatte, hörte ich das Wort „geil“ ein paar Mal.
Ups.
Ich dachte sofort: Ab jetzt läuft „Watch your language!“, auch bekannt als achtsames Sprechen.

Beim Entwicklungsgespräch in der Kita, wurde uns auch gesagt, dass unser Spross jetzt in der Phase ist, in der sich sein Wortschatz sehr schnell aufbaut und er alles nachplappert, was er aufschnappt.
Wirklich alles.
Da sag ich: Leider geil!
Er ist quasi ein wandelndes Aufnahmegerät auf zwei noch etwas wackeligen Beinen.

Warum macht mein Kind eigentlich alles nach?

Kinder lernen durch Nachahmung.
Sie kopieren, was sie täglich sehen und hören, lange bevor sie ein einziges Wort davon verstehen.
Was wir ihnen vorleben, prägt sie stärker als alles, was wir ihnen erklären.

Blöd ist, dass sie nicht nur bei uns abschauen und -hören, sondern auch bei anderen.
Entsetzt hört man dann eine Vierjährige sagen: „Opa, weißt du, was man nicht sagt? F**k dich.“
Da verschlägt es selbst dem alten Herren die Sprache.

Noch so ein Moment.
Es war verdächtig ruhig im Wohnzimmer.
Diese Stille, bei der jedes Elternteil sofort hellwach wird.
Mr. Magic steht vom Tisch auf und sagt im Vorbeigehen: „Na, das ist mir aber viel zu ruhig. Bin gespannt, was er jetzt schon wieder ausheckt.“

Und dann kommt es.
Noah hat sich meine Ladekabel aus der Schublade geholt, hört Mr. Magic um die Ecke kommen, lässt alles fallen, springt auf und ruft dabei selbst: „Aber weg da!“

Genau mein Satz.
Der, den ich ihm sage, wenn es gefährlich ist, u.a. wenn er an die Kabel geht.
Er hat ihn übernommen.
Das Wort und gleich den ganzen Vorgang dazu.
Er hält sich selbst von den Kabeln ab und kommentiert das Ganze mit meiner Stimme.

Wir haben uns schlapp gelacht.
Und gleichzeitig ging mir ein Gedanke ‚Ich klinge wie meine Mutter.‘ durch den Kopf.
Ich musste kurz schlucken.

Da war sie, die ganze Kette auf einmal.
Meine Mutter in mir, ich in Noah.
Spieglein, Spieglein, und der Spiegel reicht weiter, als ich dachte.

Bei der Marine hatten wir einen Namen dafür.
Das hieß „Führen durch Vorbild“ und war kein netter Spruch fürs Poster im Flur.
Wenn meine eigenen Schuhe nicht sauber waren, habe ich bei der Anzugmusterung niemals den Schuhputz bemängelt.
Ich konnte schlecht den glänzenden Stiefel einfordern, während mein eigener nicht strahlte.
Gleichzeitig habe ich meine Kameraden gebeten, mir kameradschaftlich Bescheid zu geben, wenn an meiner Uniform etwas nicht saß, z. B. ein hochstehender Kragen oder ein fehlendes Namensschild.
Ein gutes Vorbild stellt sich derselben Messlatte, die es an alle anderen anlegt.
Perfekt sein muss dafür niemand.

Ein Team merkt das in der ersten Woche.
Das schöne Leitbild, das an der Wand hängt, interessiert keinen.
Schlimmer wird es nur noch, wenn es eher einem Leidbild gleicht.
Was hängenbleibt, ist, wie die Chefin montags zur Tür reinkommt.
Ob sie guten Morgen sagt, pünktlich und vorbereitet in Meetings sitzt oder über die Kollegin redet, die gerade nicht im Raum ist.

Der Spiegel zeigt auch das Schöne

Jetzt könnte ich mich hinsetzen und eine Woche lang jedes meiner Worte auf die Goldwaage legen. Mache ich nicht.
Denn der Spiegel zeigt ja zum Glück nicht nur das „geil“ oder „Spinner, ja“.

Vorletzte Woche saß ein kleiner Junge aus Noahs Gruppe bei einer Erzieherin auf dem Schoß und weinte bitterlich, weil seine Mama gerade gegangen ist.
Noah sah mich mit großen Augen an und sagte: „Olli weint.“
Ich frage, ob er den Jungen trösten möchte.
Erst wurde er ganz schüchtern und klammerte sich an mein Bein.
Dann nahm er meine Hand, wollte, dass ich mitkomme.
Mit mir im Schlepptau ging er ganz zaghaft zu seinem Freund rüber und streichelte dem weinenden Jungen über den Arm.

Awww. Da stand bei mir sofort Pipi in den Augen.

Auch das leben wir ihm vor.
Er hat das Trösten genauso aufgeschnappt wie das „Spinner, ja“.
Beides wandert in denselben kleinen Rucksack.

Und da liegt für mich der eigentliche Punkt, als Mutter genauso wie als Mentorin.
Wer einen Menschen wachsen sehen will, ein Kind, ein Team, eine Kollegin, der schaut am besten zuerst auf sich selbst.
Ansagen allein tragen da nicht weit.
Das Emerson-Prinzip hat für mich Gültigkeit: „Das, was du tust, schreit so laut, dass ich nicht hören kann, was du sagst.“

Mein Impuls für dich

Stell dir kurz vor, jemand gäbe dir einen ganzen Tag lang deine eigenen Sätze zurück.
Wort für Wort, Tonfall für Tonfall.
Dein Kind tut das.
Dein Team tut das möglicherweise auf seine Weise auch.

Was davon würdest du gerne hören?
Und was möchtest du vielleicht ab morgen ein bisschen anders sagen?

Übrigens ist ein häufiger Punkt in meinen Gesprächen „vorbildlich Pause machen“.
Das bedeutet manchmal auch, Feierabend zu machen, das Leben zu genießen und die Arbeit Arbeit sein zu lassen.
Erstaunlicherweise bekommt Arbeit in den seltensten Fällen Beine. Sie läuft nicht weg. Deine Lebenszeit jedoch mit jeder Sekunde.

Du musst übrigens nicht über Nacht zum perfekten Vorbild werden.
Es reicht, einmal hinzuschauen, wofür du gerade das Vorbild bist und wofür du es sein möchtest.
Oder noch eine Perspektive: An wessen Verhalten könntest du dir die bekannte „Scheibe abschneiden“?

Was sonst noch los war

Der große Schreck der Woche kam nachts.
Du erinnerst dich vielleicht, dass ich im letzten Beitrag meine Angst geteilt hatte, Noah könnte aus dem großen Bett fallen.
Tja, zwei Tage bzw. Nächte später wurde aus meiner Angst die bittere Realität.

Der Bär schläft inzwischen in seinem kleinen Bett ein, klettert aber nachts am liebsten ins große rüber.
In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch hat er das im Halbschlaf versucht, dabei die Orientierung verloren und ist auf der falschen Seite hinausgeklettert.
Bums. Großes Geschrei und ich war sofort in Vollalarm.
Zum Glück war ihm nichts passiert.
Ein großer Schreck, ein Trostkuscheln, und drei Minuten später schlief der kleine Bär schon wieder.

Da war sie wieder, meine eigene Lektion.
Das, wovor ich am meisten Angst hatte, ist eingetreten, und für mich war es viel schlimmer als für Noah. Der ist einfach wieder aufgestanden.

Beim Kita-Entwicklungsgespräch am Freitag schwärmte die Erzieherin von riesigen Sprüngen.
Er spricht seit zwei Wochen in Drei-Wort-Sätzen, geht mutterseelenallein über die Hängebrücke und erklimmt die Rutsche von der falschen, also der spannenden Seite.
Barfuß klettert mein kleiner Gipfelstürmer auf der Rutschfläche bis nach oben.
Hab ich ihm nicht vorgemacht, aber schon sooo oft dran gedacht.

Jedenfalls wird es auch nächste Woche kaum ruhiger.
Am Montag kommen die Mädels wieder, und dann stehen direkt die Theateraufführung und das Schulfest an.
Und ich bin zu einem Mamafest eingeladen.

Ansonsten haben wir das erste richtige Sommerwetter ausgenutzt.
Kinderpool raus, Füße rein, und Noah hätte nach Herzenslust planschen können.
Wollte er aber nicht.
Stattdessen ertränkt er weiterhin hingebungsvoll meine Kürbisse.
Hauptsache, er ist gesund und hat Spaß.

Was uns die Woche so bringt, erzähle ich dir nächste Woche.

Deine Marion Glück

P.S. Ich übe gerade heimlich „Mama ist die Beste“. Mal sehen, wann der kleine Papagei anbeißt.

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FAQ

Was bedeutet Führen durch Vorbild?

Führen durch Vorbild bedeutet, das Verhalten selbst zu leben, das man von anderen erwartet. Wer Haltung oder Einsatz einfordert, zeigt beides zuerst an sich.

Wie nennt man Führung durch Vorbild noch?

Geläufig sind die Begriffe Vorbildfunktion und Modelllernen. Beide meinen, dass Verhalten durch Beobachtung übernommen wird.

Warum lernen Kinder mehr durch Nachahmung als durch Worte?

Weil sie nachmachen, was sie täglich sehen, lange bevor sie Erklärungen verstehen. Vorgelebtes prägt tiefer als Gesagtes.

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Marion Glück ist Mentorin für Selbstführung, Autorin und ehemalige Marineoffizierin. Sie begleitet Frauen in Führungsrollen bei strukturierter Selbstführung und Entwicklung von mentaler Stärke. Ihre Arbeit als systemische Coach und psychologische Beraterin basiert auf Biografiearbeit, unternehmerischem Denken und persönlicher Erfahrung. Mit LUMEA hat sie eine DSGVO-konforme KI-Begleiterin für Reflexion und innere Klarheit entwickelt.

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