Mutter mit ihrem Kind auf dem Arm.

My KISS for you

  • Freundlichkeit wird oft blind mit guten Absichten gleichgesetzt, dabei sagt sie darüber gar nichts aus.
  • Aussagekräftiger ist, wer sich mehr Nähe nimmt, als ihm eigentlich zusteht.
  • Menschenkenntnis verbessern gelingt am besten durch bewusstes Beobachten in echten Situationen, immer wieder.


13 Kerzen, neun junge Frauen, eine Lasertag-Arena, und ich rede mit Mr. Magic über Social-Media-Plattformen. Diese Woche nehme ich dich mit von der Geburtstagsfeier zu einem Mann, der sich selbst zum Onkel gemacht hat, und zu einem Coach, der mir mal ganz offen erzählt hat, was er wirklich will. Beides Lektionen, die meine Menschenkenntnis auf die Probe gestellt haben.

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Hallo mein Herz,


Nebel wabert durch den schwarzen Raum, irgendwo blinkt eine Weste auf, und mittendrin steht Amelie mit ihrer Laserpistole und grinst wie eine kleine Kriegerin im eigenen Star-Wars-Bunker.

Charlotte hat sich hinter einer Säule verschanzt und ruft: „Katzenswache ist verboten!“.

Beide sind seit ein paar Tagen dreizehn Jahre.

Ob dreizehn Jahre jung oder alt?

Kommt drauf an, wen du fragst.

Um sie herum tobt eine Horde Teenager.

Alles ihre Freundinnen.

Drei Stunden Ballern, Kichern, Kuchen.

Danach gibts Hot Dogs.

Klassischer Kindergeburtstag, würde man meinen.

Zwischen zwei Runden saß ich mit Mr. Magic am Rand, und wir haben über etwas ganz anderes gesprochen als Highscores.

Auf welchen Plattformen dürfen Fremde meine Kinder erreichen?

Bei uns entscheidet, wer ohne Telefonnummer einen direkten Draht zu den Kindern bekommt. Das ist für uns eine Sicherheitsfrage, keine Erziehungsfrage.

Schon mit zehn bekamen die Kinder mehr digitale Freiheit.

Das ist normal und soll auch so sein. Schließlich wollen wir sie nicht aus ihrer Peer Group ausgrenzen.

Aber mit der Freiheit kommt sofort die nächste Frage mit: Wer bekommt unkontrolliert Zugang?

Wer schreibt eine nette Nachricht, und wer bekommt tatsächlich einen direkten Draht zu meinem Kind, ganz ohne dass ich mitlese.

Fragen, die wir schon mit anderen Eltern diskutiert haben.

Wer erlaubt was.

Wer hat welche App komplett gesperrt.

Wer vertraut den Kindern und wer den Apps überhaupt nicht.

Es gab keine einheitliche Antwort.

Nur ungefähr gleich viel Bauchgefühl bei allen.

Und da ist mir eine andere Geschichte wieder eingefallen.

Eine, die mit Noah zu tun hat, nicht mit den Mädels.

Die Situation liegt schon ein paar Wochen zurück, aber sie hat mich nachdenklich gemacht und war letzte Woche plötzlich wieder ganz präsent.

Warum reicht Freundlichkeit nicht als Vertrauensbeweis?

Freundlichkeit sagt nichts über die Absicht dahinter aus.

Ein schmeichelnder Ton, ein nettes Wort, sogar ein Familientitel wie „der Onkel“ erzeugen Nähe, ohne dass sie verdient wäre.

Vor ein paar Wochen war ich mit Noah auf dem Spielplatz um die Ecke.

Ein fremder Mann kam mit seinem Hund vorbei.

In der Hand eine Tüte mit Hundefäkalien, die er im Mülleimer auf dem Spielplatz entsorgen wollte.

Kann man auch mal drüber nachdenken…

Er band den Hund draußen an und sagte zu Noah, der am Tor zum Spielplatz stand: „Lass den lieben Onkel mal vorbei“.

Der liebe Onkel ist in dem Fall ein Mann, den wir nicht kannten.

Noch nie gesehen, doch er drängt sich einfach so in unser Familienleben mit einem Familientitel. „Lieber Onkel“ klingt nach Vertrauen, Wohlwollen, und der meint es gut mit dir.

So wie die echten Onkel und Tanten.

Innerlich ruckte es und hat mich sofort alarmiert.

Nicht der Mann selbst, nicht sein Hund, nicht mal der Spielplatz-Smalltalk.

Die Worte „lieber Onkel“ waren es.

Man könnte das „liebe“ sogar weglassen, und trotzdem hat er sich Nähe geliehen, die ihm nicht zusteht.

Apropos geliehene Nähe.

Ich hatte vor ein paar Jahren mal einen Coach, der irgendwann mitten im Gespräch ganz offen wurde.

Er fragte mich: „Was glaubst du eigentlich, warum ich das hier mache? Mein Traumjob ist das nicht. Ich will einfach richtig viel Kohle abgreifen und mich in drei Jahren zur Ruhe setzen.“

Mit so einem Coach wollte ich nicht arbeiten.

Und ich bin ganz sicher nicht die, von der man sich die Kohle abgreift.

Ich bin von Haus aus eher skeptisch.

Zwölf Jahre Bundeswehr inkl. Worst-Case-Szenarientraining hinterlassen Spuren.

Trotzdem bin ich bei Businessverträgen schon öfter zu blauäugig reingegangen, als mir lieb war.

Ein Leitbild an der Wand sagt nichts darüber, was innen tatsächlich gelebt wird.

Das merkt man oft erst, wenn der Vertrag unterschrieben und man schon eine Weile dabei ist.

Der Onkel vom Spielplatz und mein Ex-Coach haben also mehr gemeinsam, als ich beim ersten Hinsehen dachte.

Der Unterschied zwischen nett und ehrlich

Manchmal ist der Mensch, der am freundlichsten klingt, der, dem am wenigsten an dir liegt.

Der Onkel hätte auch einfach „der Mann mit der Hundescheiße in der Tüte“ bleiben können.

Ist er nicht.

Er hat sich einen Titel genommen, der ihm nicht zustand, weil der Titel schneller wirkt als jedes lange Gespräch.

Mein Ex-Coach war da tatsächlich der ehrlichere von beiden.

Der hat wenigstens gesagt, worum es ihm wirklich geht.

Die gefährlicheren sind die, die es nicht sagen, und das bringt mich zurück zu unseren Teenagern mit Social-Media-Profilen.

Wir können Amelie und Charlotte keine Liste an verbotenen Apps mitgeben, die sie vor jedem Menschen mit schlechten Absichten schützt.

Geht nicht, wollen wir auch gar nicht.

Sie sollen selbst lernen, hinzuschauen.

Deshalb erklären wir es ihnen und machen Worst-Case-Szenariotraining, das mit zunehmendem Alter auch den Umgang mit Alkohol, Safer Sex, Fremden und offenen Flaschen in Clubs einschließen wird.

Immer wieder werten wir gemeinsam Situationen aus, denn Menschenkenntnis verbessern heißt für uns vor allem üben.

Zeigen ihnen, worauf es ankommt.
Sensibilisieren sie für die gefährlichen Situationen.

Doch wie fühlt sich jemand an, der sich mehr Nähe nimmt, als er verdient hat?

Für Mütter in Führungspositionen ist das eine doppelte Übung, beim eigenen Kind hinschauen und im eigenen Team genauso.

Ich stelle mir dieselbe Frage seitdem auch wieder öfter selbst und prüfe Kooperationsanfragen und Verträge intensiver.


Das sollten wir vielleicht bei allem mal machen, was mit einem Lächeln beginnt.

Mein Impuls für dich

Vielleicht lohnt es sich, das nächste Mal, wenn dir jemand ungewöhnlich schnell sehr nah kommt, kurz innezuhalten, bevor du diese Nähe erwiderst.

Wo in deinem Leben hat sich zuletzt jemand einen Vertrauensvorschuss genommen, den er sich noch gar nicht verdient hatte?

War der Vorschuss berechtigt oder bist du auf die Nase gefallen?

Und woran hättest du das im Nachhinein früher erkennen können?

Was sonst noch los war

Ich habe mir diese Woche auch mal wieder was richtig Schönes gegönnt: eine Runde Kosmetik und Osteopathin, nur für mich.

Eine kleine Insel im Wochenkalender, aber eine wichtige.

Vor allem vor einem Geburtstagswochenende.

Apropos Kalender.

Die eigentliche Geburtstagsfeier der Mädels mit der Verwandtschaft mussten wir absagen.

Stattdessen hatten wir mal wieder eine Streptokokkenparty und blieben unter uns.

Mit Eis und Decke auf dem Sofa und „The Rookie“ im Fernsehen.

Ansonsten war in der Schule kaum noch klassischer Unterricht angesagt.

Projektwoche für die eine und Schwimmwoche für die andere.

Beides fiel ins Wasser auf unterschiedliche Art und Weise.

Man merkt richtig, wie sich das Schuljahr dem Ende zuneigt und alle nur noch auf Ferienmodus schalten.

Uns hat’s diese Woche jedenfalls nicht schwer getroffen.

Eine ziemlich entspannte Woche, den Lasertag-Trubel mal ausgenommen.

Ich wünsch dir eine Woche, in der du merkst, wer es wirklich gut mit dir meint.

Deine Marion Glück

P.S. Manchmal ist der Familientitel, den sich ein Fremder selbst gibt, das lauteste Warnsignal, das man kriegen kann.

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FAQ

Was ist Menschenkenntnis?

Menschenkenntnis ist die Fähigkeit, aus Verhalten, Wortwahl und kleinen Signalen zu erkennen, was jemand wirklich will. Sie lässt sich trainieren und ist keine angeborene Gabe.

Wie kann ich meine Menschenkenntnis verbessern?

Am wirkungsvollsten sind konkrete Alltagssituationen, an denen man das eigene Gespür bewusst überprüft. Wiederholtes Beobachten schult den Blick mehr als jede Theorie.

Wann zeigt sich der wahre Charakter eines Menschen?

Meistens genau dann, wenn jemand sich mehr Nähe oder Vertrauen nimmt, als ihm eigentlich zusteht. Dieser Moment verrät oft mehr als jede erste freundliche Begegnung.

Impulse von mir. Fü(h)r dich.

Gedanken, Fragen und Perspektiven für Führungskräfte.

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Marion Glück ist Mentorin für Selbstführung, Autorin und ehemalige Marineoffizierin. Sie begleitet Frauen in Führungsrollen bei strukturierter Selbstführung und Entwicklung von mentaler Stärke. Ihre Arbeit als systemische Coach und psychologische Beraterin basiert auf Biografiearbeit, unternehmerischem Denken und persönlicher Erfahrung. Mit LUMEA hat sie eine DSGVO-konforme KI-Begleiterin für Reflexion und innere Klarheit entwickelt.

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