Marion Glück in Marineuniform auf der Gorch Fock, Symbolbild für Journaling Fragen vor dem Meeting

Du sitzt im Meeting, hast die Lösung im Kopf, und sagst nichts. Der Gedanke dahinter: Was weiß ich schon? Das hat bestimmt schon jemand anderes bedacht, jemand mit mehr Rang, mehr Erfahrung, mehr Ahnung als du.

Mir ist das zweimal passiert. Einmal ist dabei nichts passiert. Einmal schon.

Im Kern geht es um ein Muster: die Annahme, dass die eigene Beobachtung nicht wichtig genug ist, um sie auszusprechen. Vier Fragen an dich selbst und vier Prompts für die KI helfen, genau das zu durchbrechen, bevor der nächste Moment kommt.

My KISS for you

  • Wer eine Beobachtung für sich behält, weil sie denkt, das habe schon jemand anderes gesehen, verspielt den Moment, in dem sie etwas hätte verändern können.
  • Dieses Denken ist viel schlimmer als fehlender Mut: Es ist die Annahme, die eigene Wahrnehmung sei nicht wichtig genug.
  • Journaling Fragen vor dem Meeting und klar formulierte KI-Prompts bereiten die eigene Position vor, bevor der Moment da ist.


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In meinem Blog verwende ich teilweise KI-generierte oder KI-bearbeitete Bilder. Diese sind jeweils gekennzeichnet.
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Infanteristische Grundausbildung, Unterricht „Posten und Streifen“, 2004 in Plön. Dort läuft man zu zweit Streife. Falls einem was passiert, falls einer etwas entdeckt, kann der andere loslaufen und Hilfe holen. Ich war noch keine sechs Monate bei der Marine, und ich habe mich gewundert, dass das beim Ausguck auf der Gorch Fock anders gehandhabt wurde. Es hat für mich keinen Sinn ergeben.

Ich dachte mir: Kann ja nicht sein, dass ich hier eine Idee habe, die vorher noch kein Admiral hatte.

Also habe ich nichts gesagt.

Nur sechs Wochen zuvor stand ich als Ausguck auf der Back auf der Gorch Fock, dem Segelschulschiff der Marine. Ich hatte gerade meine Meldung gesungen. Die nächste war erst in 30 Minuten dran. Ich machte im Kopf meinen Worst Case Szenariocheck: Wenn hier im Dunkeln bei Hacksee jemand über Bord geht, merkt man es im schlimmsten Fall erst nach einer halben Stunde. Wieder derselbe Gedanke. Da wird sich schon jemand anderes Gedanken dazu gemacht haben.

2008 saß ich auf meinem Bett an der Uni, als eine Kameradin mir erzählte, dass Jenny Böken über Bord gegangen war. „Weißt du noch, als wir uns in Plön über Posten und Streifen unterhalten haben und dass das auf der Gorch Fock genauso sein müsste?“ Als ich wieder allein war, bin ich in Tränen ausgebrochen. Ich fühlte mich nicht dafür verantwortlich, weil ich nichts gesagt hatte. Selbst wenn, hätte das nichts verändert. Aber ich hatte nicht mal die Chance ergriffen, etwas zu sagen und jetzt war sie tot.

Von da an habe ich mir geschworen: Beim Faktor Sicherheit sage ich ab sofort immer etwas. Egal wie unbequem das sein mag.

Das Muster hört nicht bei der Sicherheit auf

Jahre später, ein paar Tage nach meinem Start bei thyssenkrupp Marine Systems, saß ich in einer Besprechung und hatte eine für mich logische Lösung für das vorliegende Problem im Kopf. Ich sagte jedoch nichts. Ich war ganz neu im Team und dachte, ich beobachte erst mal alles. Kann ja nicht sein, dass der Newbie die Lösung hat.

Einem Kollege und ehemaligen Kameraden erzählte ich hinterher, wie ich es machen würde. Er bekam große Augen und fragte, warum ich es nicht in der Besprechung gesagt hätte. Er schrieb die Mail und teilte die Lorbeeren, die er bekam mit mir.

Diesmal war ich nicht traurig oder wütend. Ich war erleichtert. Ich kann hier also doch schon mitarbeiten, dachte ich. Nicht jede zurückgehaltene Idee endet dramatisch. Aber das Muster dahinter ist immer dasselbe: abwarten, ob es schon jemand anderes sagt.

Heute gehe ich in meinen Mentorings oder anderen Gesprächen dieses Muster bewusst als Trainingslager an. Ich bleibe neugierig und spreche aus, was mir in den Sinn kommt, auch wenn es im Moment keinen Sinn ergibt. Dazu gehört, auszuhalten, dass andere es abtun oder auseinandernehmen.

Und ich bereite mich vor. Ich überlege vorher, mit welchen Reaktionen ich rechnen muss und von wem. Das mache ich auch in der Arbeit mit meinen Kundinnen: Ich kenne ihren Chef oder ihre Kollegin nicht persönlich, aber ich lasse mir genau schildern, wie diese Person normalerweise reagiert, wie sie sich verhält. Dann bereiten wir gemeinsam vor, womit realistisch zu rechnen ist, und womit wahrscheinlich nicht. Denn ein großer Teil von dem, wovor wir uns fürchten, findet nur im eigenen Kopf statt.

Genau diese Vorbereitung lässt sich auch mit KI machen. Eine Studie von KPMG und der University of Texas at Austin (1,4 Millionen Prompts, 2.500 Mitarbeitende, veröffentlicht in der Harvard Business Review, März 2026) fand: Nur 5 Prozent der Menschen nutzen KI wirklich souverän, als echten Sparringspartner statt als Suchmaschine. Laut Studie liegt das an der Arbeitsweise mit der KI, unabhängig von Berufserfahrung oder Position.

Hier kommen vier Journaling Fragen, die du dir selbst stellst, dazu vier Prompts für deine KI, um dich noch besser vorzubereiten.
Bereit zum Copy-Pasten?
Dann los!

1. Was denkst du gerade wirklich?

Frag dich: Wo hältst du gerade eine Beobachtung oder einen Gedanken zurück, weil du denkst, das hat sicher schon jemand gesehen oder bedacht?

Dann der Prompt:

„Ich gehe gleich in [Meeting/Gespräch] und will [deine Position/Idee] vertreten. Spiel die kritischste Person im Raum. Stell mir die 5 unbequemsten Fragen dazu. Gib mir zu jeder Frage eine ruhige Drei-Satz-Antwort.“

Das ist der Gegenwind, den ich befürchte. Mit KI kann ich gute Konterantworten vorbereiten.

2. Was ist dein eigentlicher Punkt?

Frag dich: Wenn du nur einen Satz sagen dürftest, welcher wäre es?

Dann der Prompt:

„Du bringst komplexe Botschaften auf den Punkt. Meine Position ist: [in eigenen Worten]. Verdichte das auf eine Kernbotschaft in einem Satz, drei Belege und einen Alltagsvergleich, den ich frei aussprechen kann.“

3. Wie holst du dir den Raum zurück?

Frag dich: Was hältst du aus, wenn jemand dich nicht aussprechen lässt, deine Idee abtut oder auseinandernimmt?

Dann der Prompt:

„Du bist meine Mentorin für Selbstbewusstsein. In Meetings verliere ich manchmal den Faden, wenn andere lauter sind oder mich unterbrechen. Gib mir 5 kurze, souveräne Sätze, mit denen ich mir das Wort zurückhole, ohne unhöflich zu wirken.“

4. Was machst du danach damit?

Frag dich: Was passiert mit dem, was im Meeting besprochen wurde und dem, was du gesagt hast, wenn das Meeting vorbei ist?

Dann der Prompt:

„Du bist mein Assistent. Hier sind meine Meeting-Notizen: [Notizen einfügen]. Sortiere sie in getroffene Entscheidungen, Zuständigkeiten und offene Punkte. Formuliere daraus eine kurze Follow-up-Nachricht an alle Teilnehmenden.“

Der gemeinsame Trick bei allen vieren, damit die KI zum Sparringspartner wird statt zur Suchmaschine:

  • Weise der KI eine Rolle zu.
  • Gib ihr einen konkreten Kontext.
  • Gib das Ergebnisformat vor.

Ich hätte diese Prompts damals auf der Gorch Fock nicht gebraucht. Ich hätte nur gebraucht, mir selbst zu glauben. Gerade die Banalitäten werden oft nicht bedacht.

Aber wenn du gerade unstrukturiert und unsicher bist, dann kannst du dir mit meinen vier Fragen und den vier Prompts sehr gut selbst helfen.

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FAQ

Wie fange ich am besten mit den Fragen an?

Eine nach der anderen, nicht alle vier auf einmal. Fang mit der an, die dich gerade am meisten beschäftigt, nicht mit der ersten in der Liste.

Warum schweigen wir, obwohl wir etwas Wichtiges zu sagen haben?

Meistens weil die Angst größer ist als der Mut. In manchen Situationen aber auch, weil wir annehmen, dass unsere Kompetenz nicht ausreicht oder jemand Erfahrenerer die Sache längst bedacht hat.

Wie bereite ich mich mit KI auf ein schwieriges Meeting vor?

Gib der KI eine klare Rolle (zum Beispiel die kritischste Person im Raum), den Kontext deiner Situation und ein festes Ergebnisformat, etwa fünf Fragen mit kurzen Antworten. Das funktioniert deutlich besser als eine offene Frage.

Was gehört in eine gute Reflexionsfrage?

Eine konkrete Situation, kein allgemeines Gefühl. „Wo habe ich zuletzt geschwiegen?“ bringt mehr als „Bin ich mutig genug?“.

Muss ich bei jeder Idee sofort reden?

Nein. Es geht darum, das Muster zu erkennen: abwarten, ob es ein anderer sagt. Ob du dann sprichst, entscheidest du bewusst, nicht automatisch aus Zurückhaltung.

Sind KI-Prompts nicht unpersönlich für so etwas Persönliches?

Der Prompt ersetzt nicht deine Stimme im Meeting. Er bereitet sie vor. Was du am Ende sagst, bleibt deins.

Impulse von mir. Fü(h)r dich.

Gedanken, Fragen und Perspektiven für Frauen in der zweiten Reihe.

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Marion Glück ist Mentorin für Selbstführung, Autorin und ehemalige Marineoffizierin. Sie begleitet Frauen in Führungsrollen bei strukturierter Selbstführung und Entwicklung von mentaler Stärke. Ihre Arbeit als systemische Coach und psychologische Beraterin basiert auf Biografiearbeit, unternehmerischem Denken und persönlicher Erfahrung. Mit LUMEA hat sie eine DSGVO-konforme KI-Begleiterin für Reflexion und innere Klarheit entwickelt.

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