My KISS for you
- Wer beruflich viel investiert hat, um besonders gut in etwas zu sein, erlebt eine schnell fortschreitende KI oft als Bedrohung der eigenen Position.
- Die erste Reaktion auf diese Veränderung entscheidet mehr als die Veränderung selbst: Abwehr und Stillstand kosten mehr als der ungewisse erste Schritt.
- Wer bewusst festlegt, was eine KI darf und was nicht, gewinnt Handlungsspielraum zurück, statt ihn an die Angst zu verlieren.
Dieser Artikel ist mein Beitrag zu Dorothee Dickmanns Blogparade „Ein Moment mit KI in meinem Business“. Sie hat gefragt, welcher Moment die eigene Sicht auf KI verändert oder bestärkt hat. Meiner war 2023, mitten in der schwersten Phase, die ich je hatte, und er drehte sich um meine Angst vor künstlicher Intelligenz.
Hinweis:
In meinem Blog verwende ich teilweise KI-generierte oder KI-bearbeitete Bilder. Diese sind jeweils gekennzeichnet.
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Ein Moment im Tal der Tränen
2023 saß ich in meiner eigenen Blase.
Ich hatte gerade meine Tochter Loreley tot zur Welt gebracht und war mit meiner Trauer beschäftigt.
Um mich herum redete plötzlich jeder über ChatGPT.
Was für ein Hype ist das denn?!, dachte ich.
Ich erinnere mich genau an das Gefühl, das dabei aufkam: Dieser Zug fährt gerade an, und zwar richtig schnell. Wenn ich mich nicht bewege, und zwar besser heute als morgen, fahre ich nicht mit. Dann winke ich diesem Zug nur noch hinterher.
Zu Ende gedacht: Irgendwann mache ich mein Business zu, weil ich zu spät dran bin.
Da kam richtig Unruhe in mein System.
Das war der Punkt, an dem ich aus meiner eigenen Verarbeitung herausgegangen bin und mich wieder um mein Business gekümmert habe.
Die Trauer war lange nicht vorbei.
Jetzt kam die Angst, abgehängt zu werden, noch obendrauf.
Warum macht der Fortschritt von KI vielen Unternehmer:innen Angst?
Der Fortschritt macht Angst, weil er sich wie eine Frist anfühlt, die man sich nicht selbst gesetzt hat.
Wer ohnehin wenig Kapazität hat, weil Verlust, Erschöpfung oder eine private Krise gerade alles fordern, erlebt das Tempo als zusätzlichen Druck statt als Chance.
Für Selbstständige und Führungskräfte ist das mehr als eine Kopfsache.
Ihr Geschäftsmodell hängt oft direkt an der eigenen Expertise, an dem, was sie besser können als andere.
Wenn eine Maschine plötzlich Teile davon übernehmen kann, wirkt das wie ein Angriff auf die eigene Position.
KI ist ein neues Tool und für manche auch der neue Feind.
Auf Reddit diskutieren gerade Hunderte Selbstständige unter dem Titel „Anthropic can duplicate your business models overnight“ genau diese Sorge: dass das eigene Geschäftsmodell über Nacht kopiert werden könnte.
Die Debatte zeigt, wie viele Selbstständige diese Angst gerade beschäftigt.
Was hat Flexibilität mit dem Umgang mit KI zu tun?
Flexibilität ist einer der DNLA-Faktoren, mit denen ich meine Kund:innen und mich selbst betrachte.
Er beschreibt, wie jemand auf Veränderung und neue, unbekannte Situationen reagiert: mit Widerstand und Abwehr oder mit schneller Anpassung, ohne dabei jede Veränderung gutheißen zu müssen.
Mein KI-Moment war genau dieser Test.
Meine erste Reaktion war Neugier.
Noch mehr Rückzug war nicht möglich.
Ich saß ja schon in meinem Schneckenhaus.
Ich habe mir direkt einen Account bei ChatGPT angelegt und angefangen, herumzuprobieren.
Danach bin ich in meinen typischen Recherchemodus abgetaucht.
Liebevoll nennen es auch heute noch alle „das KI-Rabbit-Hole“.
Ich wollte es genau wissen, also habe ich einen Kurs gekauft.
Zu Ende geschaut habe ich ihn bis heute nicht.
Anderen beim Arbeiten mit KI nur über die Schulter schauen, is‘ lahm.
Gleichzeitig wurde mir auch klar, dass reines Learning-by-Doing für mich der falsche Weg war.
Dann wurde ich wieder schwanger, und ich habe eine Ausbildung bei Leaders of AI* gefunden.
Ich habe direkt nach dem Wochenbett mit dem Studium angefangen: Selbststudium, Gruppenarbeiten, Studienaufgaben.
Damals war mein Bär noch klein genug, dass ich dafür Zeit hatte.
Vorher habe ich mich gefragt, ob ich mir damit zu viel zumute.
Am Ende war es genau der Zeitraum, den ich gebraucht habe.
Das ist jetzt ziemlich genau 2 Jahre her.
Was ich einer Kundin über ihre Macht mit KI gezeigt habe
Eine Kundin von mir hat KI lange komplett abgelehnt, aus Angst, weil sie nicht verstanden hat, was damit alles geht.
Ich habe ihr gezeigt, wie viele Möglichkeiten sie hat, wenn sie mit KI arbeitet, und wie sich das auf ihr Business auswirkt.
Wir haben dabei das Bild vom Goldrausch benutzt.
Man kann Angst haben und den anderen, die losziehen, hinterherwinken.
Oder man kauft sich eine Schaufel und hat die Chance, steinreich zu werden.
Die Frage heute ist: Wie lange will ich am Rand stehen und zusehen, bevor ich anfange, die Regeln zu lernen und mitzuspielen?
Das heißt bei mir, dass ich nicht alles unreflektiert freigebe.
Ich entscheide bei jedem KI-Einsatz bewusst: Was darf sie? Wo darf sie sich zuschalten? Was gebe ich frei, was behalte ich bei mir?
Genau diese Klarheit macht für mich den Unterschied zwischen einer Goldgräberin und einem Spielsüchtigen.
Bei mir kommt dazu, dass ich aus meiner Zeit als Marineoffizierin weiß, wie man Befehle gibt: Wer macht was, bis wann, wozu, womit und wie.
Diese Struktur macht gute Prompts aus.
Ich musste nicht erst lernen, wie man KI führt.
Ich hab erkannt, dass das, was ich vor Jahren gelernt habe, auch hier gilt: Wer fragt, führt. Das gilt für ein Team genauso wie für eine KI.
Was passiert, wenn ich mich aus Angst vor KI wegducke?
Zuerst ist es nur unangenehm: Man sitzt in Gesprächen und versteht die Hälfte nicht mehr, weil alle über Tools reden, die man selbst nie ausprobiert hat.
Mit der Zeit kostet es echtes Geld: Kund:innen wandern zu Marktbegleitenden ab, die mit KI schneller liefern, günstiger kalkulieren oder sichtbarer sind.
Am Ende steht das, was ich mir 2023 selbst ausgemalt habe: Das eigene Business wird irrelevant, weil der Markt sich weiterbewegt hat, während man selbst noch überlegt hat, ob man einsteigen soll.
Ob, nicht wann…
Und du?
Hier sind drei Fragen, die du dir in Ruhe beantworten kannst:
- Ist deine erste Reaktion auf etwas Neues eher Abwehr oder Neugier?
- Wovor genau hast du bei KI Angst: um dein Business, deine Identität, deine Daten, … dein Leben?
- Stehst du gerade am Rand und siehst zu, oder spielst du schon mit?
Du willst deine Angst genauer analysieren?
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FAQ
Ja. Wenn eine Technologie so schnell Fähigkeiten übernimmt, für die Menschen bisher gebraucht wurden, ist eine emotionale Reaktion normal und keine Schwäche. Entscheidend ist, was aus dieser Angst wird: ob sie lähmt oder in Bewegung bringt.
Entscheidend ist, wie eng das eigene Angebot an einer einzigen, replizierbaren Fähigkeit hängt, unabhängig von der Branche. Je mehr das eigene Geschäftsmodell auf Beziehung, Erfahrung und individuellem Urteil basiert, desto schwerer lässt es sich kopieren.
Der größte Risikofaktor ist unreflektierter Einsatz: Daten weitergeben, die vertraulich bleiben sollten, oder Entscheidungen abgeben, die eigene Urteilskraft brauchen. Wer vorher klärt, was die KI darf und was nicht, umgeht die größten Gefahren.
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[…] Goldrausch oder Blockade: Meine Angst vor künstlicher Intelligenz […]
[…] „Angst vor künstlicher Intelligenz“ von Marion Glück […]
Hallo Marion,
ich freue mich, dass du bei der Blogparade dabei bist. Vielen herzlichen Dank für diesen berührenden Einblick in deinen eigenen Weg mit KI.
Herzlich
Dorothee
Liebe Dorothee, danke für die schöne Artikelidee. Herzliche Grüße, Marion